»Denken der Gedanken als gedankenloses Denken, wenn ich denke, denke ich das ich denke, aber eigentlich... ICH DENKE NICHT! Eine Kolumne über Gedanken einer Homepage.«2012_03_28 bis DoomsdaySeite: Eins/ Zwei/ Drei

Kinder, Kinder, Kinder ...

  1. | 126.732.921 infizierte | 2.777.684 tote | 2,19% Mortalitätsrate [Stand 28.03.2021 - 09.28 Uhr] |

Unsere lieben Kleinen, wo wären wir nur ohne sie? Vermutlich auf den Malediven oder Kanada oder irgendwo, wo viele DINK halt sein könnten. Jetzt sind aber alle genau da, wo sie hingehören; @Home.

Während sich Papa wohlwollend mit einem herzhaften Rülpser auf das erste Online Meeting des Tages vorbereitet und einen zum Frühstück dekantierten 1982er Chateauneuf du Pape zwischen den El Faro Oliven und den Pata Negra Schinkenröllchen platziert, tollen die kleinen Corona-Zombie-Mutanten kreischend zwischen seinen Beinen herum. Seit einer von ihnen Anstalten gemacht hat, von ihm abzubeißen, sitzt er wenigstens nicht mehr mit klaffend offenem Bademantel herum.

Mama indes bemüht sich die knuffigen ADS-Terroristen in den Griff zu bekommen und versucht, online ein paar Maulkörbe und Hundegeschirre mit Flexileine zu ordern. Das scheiß SAP-Fenster poppt zwar immer wieder auf, so dass ihre kontinuierliche Metamorphose zum Amazombie einem immer wiederkehrenden Reboot gleicht, aber in der Gewissheit, dass der Hermes Zusteller jetzt in der Stadt 160 fahren kann, macht sie einfach weiter. Es gibt ja kaum noch Verkehr, da die alten Schupos weitestgehend weginfiziert sind und die Peterwagen rostend am Straßenrand stehen, versucht sie in stoischer Euphorie mit VPN-Tunnelblick selbigen auszutricksen und das Firmennetzwerk zu bypassen. Alles für den finalen Einkaufsk(l)ick und endlich Ruhe. Es gibt auch echte Gewinner. Die Versender haben den Übergang vom kapitalistischen zum apolkalyptischen Wirtschaftssystem mit Bravur hinbekommen, aber die Unterschiede sind ja bestenfalls eine Bagatelle. Jeff Bezos und Elon Musk bauen heimlich eine eigene Raumstation auf der dunklen Seite des Mondes. Indes wird der größte Teil Brandenburgs zu einer fliegenden Plattform umgebaut und Jeffs Fliegerflotte bekommt interstellare Starterlaubnis, solange sie unbemannt bleibt.

Zwanzig Minuten später, beim nächsten Skype Meeting youtuben Mama und Papa psychedelisch verklärt und schwermütig zu Hildes Dauertranszendenzkanal auf der blank gescheuerten Pilatesmatte. Seit der Betriebsrat das Abkeleben der Kameralinsen unterstützt, wirkt nichts mehr so eigenartig ungelenk. Aus dem Profiheadset untermalt das sonore Gebrabbel des Chefs und das pulsierende Grunzen des unteren Managementbereichs die Szene. Indes brennt die Wlan Verbindung kleine Löcher in die Wand zwischen Fernseher und Router. Ein romantisch impressionistisches Bild, wenn die Sonne durchscheint und die Strahlen den aufgewirbelten Hausstaub leuchten lassen.

82% der Kids heutzutage wissen nicht, dass es auf ihrer Fernbedienung einen Abschaltknopf gibt. Fett geworden ungewaschen vor der X-Box verwahrlost... Corona ist dem Teint der lausigen Zombi-Gören nicht gerade zuträglich. Bevor sich moralisch verkommene Subjekte entwickeln und man nicht mehr weiss, ob man dieser Homeschooling-Zombies noch habhaft werden kann: Notbremse! Das hat jetzt ein Ende! Ein Tag Präsenzunterricht ändert alles! Die Schule ist schon so lange leer, dass sich in den Gängen Wetter bildet, oft ein lauer Wind und leichter Nieselregen. Nur im Lehrerzimmer riecht es nach Urin und Schweiß. Die psychisch belastete Lehrerschaft, seit Beginn der Pandemie eng zusammen gedrängt in einer dunklen Ecke, bewegt sich ziellos wie ein Wollmausberg in dem leeren Gemäuer. Die zu erwartende Lebensfreude und Heiterkeit drücken aufs Gemüt und verstärken die Ausprägung psychosomatischer Symptome, da nützt es auch nichts geringeren kardiovaskulären Risikofaktoren ausgesetzt zu sein. Die Pennäler sind wie Besenreiser, kaum ist man einen los, ist der nächste da. Das ist zwar harmlos, aber eklig. Niemals hätte jemals jemand erwartet, dass die Androhung von Frontalunterricht zu begeisterten spontanen Einnässungen führt.

Während Querdenker mit Stolz ihr ebenso ausgerichtetes Brett vorm Kopf tragen, werden Klettergerüste vom Ordnungsamt mit Selbstschussanlagen versehen und Sandkästen vermint. Das muss die Urinstinkte der Rotzgören auf dem Schulweg im Keim ersticken. Sollte doch mal eins der Kleinen die Flexileine durchgebissen haben, hilft immer noch das Teletakthalsband.

Vom Rappeln und Fiepsen der eintreffenden Depesche am Faxgerät aus ihrer unfassbaren Schwermüdigkeit aufgescheucht, entwickeln die Lehrkräfte so manchen pädagogischen Schabernack. Aber was fragt man, wenn man gar nicht neugierig ist? Nichts! Unter Tränen und voller Stolz wird auf dem online Elternabend angekündigt: Es wird ein Projekttag! Die Angst vorm Iwan oder der Pershing und das spielerische Üben eines Atombombenangriffs war doch damals auch ein Supergaudi! Aber alter Hut tut selten gut! Zur Aufklärung der heutigen Gefahren reicht die Geschichte vom schwarzen Mann oder dem bösen Iwan lange nicht mehr, da braucht es außergewöhnliches Engagement. Also werden Bilder von Ebola-Toten und Verkehrsopfern, die ohne Helm unterwegs waren, an die Tafel gehängt, ein arbeitsloser Schauspieler wurde engagiert, um Kinder mit Schoki in seinen Kleintransporter zu locken (so konnten die Kleinen den Tritt in die Weichteile üben) es war ein voller Erfolg!

Der kleine Oskar wollte zwar den Kleiderschrank stundenlang nicht mehr verlassen, aber jetzt ist alles wieder supi. Er sieht wieder aus wie Schweinchen Dick mit Dauerwelle-Fönfrisur an der Kindertrommel und rumpelt unterm Tisch lang. Keine der knorrigen Lehrerinnen hat je erläutert wie Netflix funktioniert oder was man tun soll, wenn zwei tolle Filme gleichzeitig laufen. Da versagt das deutsche Schulsystem, aber Oskar weiss, dank der Geschlechtsverkehrvorbereitungsportale und diverser anderer open Learning Angebote schon längst was abgeht. Es braucht keinen pelzigen Pullunder-Pädagogen mit abgeschlossenem Legasthenie-Studium, der sich was aus dem Marmelade-verklebten Vollbart nuschelt, damit man sich im Leben orientieren kann. Trotzdem müssen wir verhindern, dass bei der nächsten Pisastudie "furzender Fickfrosch" mit "V" geschrieben wird. Oskar will aber nicht wissen, wie viel die dritte Wurzel aus 729 ist, denn das geht höchstens die dritte Wurzel von 729 was an. Welche Farbe der Bauch des Stichling-Männchens annimmt, wenn er scharf auf irgendeine vorbeischwimmende Forelle ist, ist ihm mit Verlaub gesagt, extrem scheißegal und er wünscht sich vor langer Weile schon eingeschlafen zu sein. Trotzdem ist der homebeschoolte grünhaarige nasengepiercte Hibbelkopp ein ganz anständiger Furzknoten. Er hat ein Foto von sich im Arbeitszimmer als Hintergrundbild bei Teams eingerichtet, die werte Lehrerschaft ist vollkommen überfordert schlägt Rückkopplung im Brockhaus nach und benutzt solange den Lautsprecher als Kopfhörerablage. Im Geschlechtsverkehrsvorbereitungsportal erscheint indess eine Anzeige: "Frustrierter Erdkundelehrer mit Einbauküche und eigener Cordhose sucht junge Thailänderin mit viel Toleranz" und die Muggelkundelehrerin erklärt derweil, wieso auf allen fremden Planeten, die das Raumschiff Enterprise ansteuerte, die Außerirdischen ihre Felsen von innen mit bunten Glühbirnen beleuchteten wie beim Laternenfest der Kreissparkasse.

Es lebe die Trivialität des Tragischen!2021_03_28Seitenanfang